Menschlichkeit

"Wie sehr ist der Mensch eigentlich noch Mensch?" In einem (psychologischen) Modell geht es darum, dass zwei Menschen immer in einer direkten Beziehung zueinander stehen und immer einer dem anderen irgendwie unterlegen ist. Jetzt kann der Unterlegene entweder den Stärkeren bekämpfen, oder einen anderen, noch schwächeren unterdrücken. Durch beides würde er stärker werden und es geht weiter... Als ich das hörte, erinnerte es mich sofort an einen Hühnerstall. Auch hier gibt es eine so genannte Hackordnung. Der Stärkste hackt den zweit Stärksten, und der dann, um sich abzureagieren, den nächst schwächeren. Und solch ein Verhalten ist bei (fast) allen Tieren zu finden. Doch wieso sind wir Menschen scheinbar im allgemeinen nicht in der Lage, ohne eine solche (tierische) Hierarchie, also Rangordnung, zu leben? Wieso ist es von solch einem Interesse, sich ständig mit allen anderen vergleichen und messen zu wollen? Was habe ich davon, wenn ich weiß, dass ich größer und schlauer als der andere bin... was hat der andere davon, wenn er weiß, dass er reicher und beliebter ist als ich? Soll ich ihn damit beeindrucken? Oder er mich? Bin ich jetzt besser... oder er? Es spielt keine Rolle! Wir sind beide Menschen. Wir brauchen eigentlich nicht diesen Zwang und Anreiz, über anderen zu stehen. Es gibt eine einzige Person, mit der es sich lohnt, sich zu vergleich... und das ist man selber und genau das kann der Mensch als einziges Tier. Habe ich erreicht, was ich wollte, bin ich, wer ich sein will? Wozu muss ich dann noch eine Konkurrenzbeziehung zu jemandem haben, wenn ich zufrieden mit mir selber bin? Dazu mal ein kleines Beispiel: Wenn wir mit ein paar Leuten auf eine Tür zu kommen und von der anderen Seite kommt auch jemand, bleibe ich prinzipiell stehen und lasse den anderen durch, egal ob Professor, Student oder Schüler. Inzwischen machen die anderen immer schon Witze, wo ich denn stecke... Das ist aber nicht eine übertriebene Art von Höflichkeit, ich sehe einfach keinen Grund, warum ich mich diesem völlig Fremden gegenüber durchsetzen sollte. Soll er doch den Triumph genießen, wenn er es den braucht. Er ist dennoch gefangen in einer einzwängenden Hackordnung. Und ich komme auch durch die Tür...Der Mensch ist in der Lage, ohne dieses Konkurrenzdenken gegen andere auszukommen. Es muss diese unterschiedlichen Ebenen zwischen Menschen nicht geben. Wir können den anderen Tieren dabei überlegen sein. Doch ist der Mensch da überlegen? Man muss sich doch nur mal irgendwo 5 Minuten hinstellen und man sieht, wie jeder Mensch da draußen um einen bedeutungslosen Vorteil gegenüber einem anderen kämpft, nur um den Sieg zu bekommen. Der Unterlegene dreht sich um und beutet den nächsten aus. Jeder will mehr als der andere. Und das ist menschlich? Nein! Aber es ist die Realität und das was den heutigen Menschen auszeichnet...

...und das ist traurig...