Lebenssinn

In einer sehr guten Briefreundschaft, diskutierte ich vor längerer Zeit mal mehere Tage über den Sinn des Lebens.

Den dazu von mir verfasste Text habe ich nun zusammengefasst und hier veröffentlicht. Einige Anmerkungen mögen unverständlich sein, da sie auf nicht veröffentlichte Inhalte Bezug nehmen. Aber sie sind für das Textverständnis nicht von Bedeutung.

Ich habe vor einiger Zeit in einem Supermarkt, im Getränkemarkt gearbeitet. Eigentlich wollte ich da bis zum Studiumbeginn bleiben, aber es war schrecklich. Man musste gleichzeitig die Kisten von den Paletten abräumen, Leergut annehmen, das dann richtig auf den Paletten verteilen, diese wenn sie voll sind ins Lager fahren und Kunden kassieren. Meistens waren dann die Leergutpaletten immer dann voll, wenn 30 Kunden an den 2 Kassen (Bezahlen und Leergut) standen. Da stand ich nach 2-3 Tagen Einführung auch alleine. Angeblich hätte ich zwar jederzeit jemanden aus dem eigentlichen Laden rufen können, aber von da kam dann erst jemand, wenn es schon alles wieder vorbei war. Auch für Kleingeld musste man 3 mal ins Büro laufen, bis es dann gebracht wurde (dabei stand dann der Getränkemarkt ganz leer!). Am letzten Tag war es dann noch ganz Klasse, da kam nämlich eine Kundin, die meinte, wir dürften keine Getränke (für einen halben Tag) auf dem Hof stehen lassen, da das Ozon sie sonst verstrahle und sie wolle jetzt zum Gesundheitsamt gehen. Und das hat sie wirklich gemacht und die haben ihr auch noch geglaubt. Jetzt muss wirklich gleich alles in den Laden gefahren werden und da ist gar kein Platz. Zu der Zeit wäre ich auch fast aus dem Fenster gesprungen. Aber da hab ich lieber schon nach einem Monat aufgehört. Zum Glück :-)))

Aber weswegen ich das überhaupt schreibe. Am Abend, immer so gegen 19:30, wenn der Laden am vollsten ist, kamen dann etwas verteilt so 5 bis 10 Gammler, Penner oder wie auch immer sie genannt werden wollen, mit Plastiktüten voll mit leeren Bierflaschen 40-50 Stück. Für das Geld, das sie bekamen, haben sie sich neues Bier gekauft. Dabei stanken sie schon nach Bier und anderen Flüssigkeiten. Sie sitzen den ganzen Tag im Schlossgarten, trinken Bier, sammeln leere Flaschen und das war es. Wo ist deren Sinn des Lebens? Irgendwann werden auch sie sterben und keiner wird es bemerken. Aber kann man sagen, dass ihr Leben keinen Sinn hat? Sie wirken trotz allem recht zufrieden, haben ihre Kumpels, was zu trinken und das reicht ihnen. Wir können deren Sinn des Lebens nicht mit unserem vergleichen, man kann seinen eigenen mit niemandem sonst vergleichen.

Vielleicht ist der Sinn des Lebens auch nur das Leben selber. Es braucht keinen Sinn, es ist einfach nur da. Was ist das Leben denn überhaupt. Eine kurzzeitige Ansammlung von Materie, die auf elektrische Impulse reagiert. Und trotzdem ist es alles, was wir haben. Diese Existenz ist für uns die Ewigkeit. Es gibt zwar einen Anfang und ein Ende, aber alles davor und danach ist eigentlich unwichtig. Nur dieser kurze Moment ist wichtig. Davor und danach ist für uns nichts. Dazwischen ist alles, die Ewigkeit. Und was hat das mit dem Sinn des Lebens zu tun? Keine Ahndung, aber es passte gerade. ;-)

Also zurück zum Thema. Die Arbeit ist vielleicht auch nicht unbedingt der Richtige Ort um den Sinn des Lebens zu suchen. Also wenn ich bei meiner Arbeit im Supermarkt den Sinn des Lebens gesucht hätte, hätte ich wohl jeden Respekt vor dem Leben verloren. Nein, der Sinn des Lebens ist nicht da zu suchen, was du tust.Taten sind nichts besonders. Jedes Tier tut irgendetwas, aber die könnten ja auch einen Sinn des Lebens haben. Aber auch der Wind, der Regen, die Planeten, einfach alles tut irgendetwas. Und hat das alles einen Sinn des Lebens? Aber was unterscheidet uns von einem Stein, der von einem Berg fällt? Er kommt irgendwann unten an und ist "tot". Wir auch! Aber wir können unseren Fall lenken, wir können denken. Da müssen wir nach dem Sinn des Lebens suchen. Wenn Tat und Gedanke zusammen passen, gut, dann brennt die Puddingsuppe auch nicht an, aber es muss nicht sein. Jede freie Minute haben wir irgendetwas an das wir denken, über das wir nachdenken. Während der Arbeit und überhaupt bei Stresssituationen rückt dieses Nachdenken in den Hintergrund. Aber es wird nie verschwinden. Jeder Mensch denkt immer über irgend etwas nach, bewusst oder unbewusst. Und das, wozu dieses Denken führt, ist der Sinn des Lebens. Es ist auch nicht das "oberflächliche" Denken, heute muss ich noch dieses oder jenes machen, hab ich noch genug Geld..., denn das alles wird direkt von Taten beeinflusst und beeinflusst auch direkt Taten. Es ist irgend ein "tieferes" Denken. Wir haben nichts direkt davon. Es gibt uns aber Erkenntnisse, wer wir sind, wo wir sind, formt wahrscheinlich unsere Meinung, unser Bild von der Welt. Viele Menschen würden bestimmt dazu sagen, sie denken nie an so etwas, sie hätten keine Zeit dazu, es würde sie nicht interessieren. Aber das stimmt nicht! Jeder denkt ständig darüber nach, wie gesagt, nicht bewusst, aber irgendwann kommt dann ein kleines Ergebnis dieses Denkens an die Oberfläche Und wir wissen irgendwas etwas besser. Überhaupt, die Suche nach der Antwort, wer wir sind, könnte für sich der Sinn des Lebens sein. Sie wird bis zum Tod nicht vollständig beantwortet und doch denken wir immer irgendwie darüber nach.

Und die Oma bei euch im Fahrstuhl. Sie könnte wesentlich näher an einer Antwort sein als wir. Ihre gesamten Gedanken haben keinen direkt erkennbaren Zusammenhang mit dem was sie tut. Sie denkt ganz anders als wir. Vielleicht sind genau das die Gedankengänge, die uns fehlen, vielleicht hat sie nichts mehr davon, vielleicht versteht sie es auch nicht mehr bewusst, doch vielleicht ist genau dieser Abstand von der Realität nötig, um eine Antwort zu bekommen, nur für sich, weil es kein anderer verstehen kann. Aber es könnte genauso gut sein, dass einfach nach und nach die Gehirnzellen absterben, und neben dem "oberflächlichen" Denken auch alles andere langsam stirbt, bis es irgendwann ganz weg ist. Doch auch dann wird sie bis zum Ende ein bisschen darüber nachdenken, "wer bin ich".

Was du auch tust, wenn du jeden Tag das gleiche machst, die Arbeit dich quält, irgendjemand dich nervt oder die Welt dir stinkt. Der Sinn des Lebens wird dadurch nicht beeinflusst. Er ist auf einer höheren Ebene. Du kannst nur die "weltlichen" Ereignisse ändern. Die Frage nach dem Ich wird dabei unbeeinflusst weiter behandelt. Alles andere ist auch wichtig, zum Leben überhaupt und für Spaß am Leben, aber nicht für den Sinn an ihm. Also gilt es zu trennen. Die Arbeit ermöglicht einem das Leben, ist also notwendig, aber sie ist nicht mehr. Sie IST nicht das Leben "das ist doch völlig hirnrissig" magst du denken: Das ist das Leben. Also das Leben ist nicht hirnrissig, aber darüber nachzudenken, das ist es, was wichtig ist.

Denk mal darüber nach, wenn man diese Teilung zwischen Leben und Sinn hin bekommt, gibt das keine Gleichgültigkeit, aber eine beruhigende Überheblichkeit über die Welt. Die Arbeit lässt sich besser ertragen, wenn sie nicht mehr alles ist. Sie kann dich zeitlich, körperlich und scheinbar sogar geistlich völlig einnehmen. Aber die eine Frage läuft trotzdem immer im Hintergrund weiter. Und an dieser Frage können wir uns nur messen. Was bedeutet es schon, wenn man viel Geld, viele Frauen/Männer, schnelle Autos oder ähnliches hat? Echte Befriedigung kann dir nur den Kopf geben, wenn du der Antwort ein keines Stück näher kommst.

Ich finde der Stein ist eigentlich ein hervorragender Punkt zum Anfangen. Ich weiß nicht, ob ich das gestern auch schon so gesehen habe, aber das ist ja auch egal. Also der Stein, der vom Berg fällt, entspricht einem Teil unseres Lebens. Am Anfang liegt der Stein wohl behütet, wie im Mutterleib, auf dem Berg. Dann fällt er irgendwann runter, wir raus. Das Leben beginnt. Am Ende fällt der Stein auf die Erde und macht einen kleinen Krater, sein Grab. Das Leben ist das Fallen. Das heißt nicht, das unser Leben ein Fall ist, sondern es ist der zeitliche Abschnitt, in dem wir etwas tun, wir leben, der Stein fällt. Er fällt, und fällt, jeden Tag gleich (wenn es ein hoher Berg ist). Das Entspricht unserem Leben, wenn wir nur die Taten uns ansehen. Wir stehen auf, essen, gehen zur Schule, zur Arbeit..., essen, schlafen. Jeden Tag gleich. Das sind alles Sachen, die wir zum Leben brauchen. Sie sind so wichtig wie das Fallen für den Stein, fällt er nicht ist er aufgeschlagen. Dann hat unser Leben aber genau so viel Sinn wie der Stein. Und genau das kann es wohl nicht sein. Nehmen wir ein anderes Beispiel, ein Tier. Was macht das? Es schläft, jagt, erhält die Art, übt seine Fähigkeiten... das ist zwar schon mehr als der Stein macht. Aber dennoch ist es alles immer weder das gleiche. Auch kein wirklicher Sinn des Lebens. Also muss der Sinn des Lebens das sein, was uns von Steinen und Tieren unterscheidet. Es kann, wie ich gestern meinte, das Denken sein. Doch auch etwas anderes: Eines haben all diese Tätigkeiten gemeinsam. Sie haben alle einen Sinn. Sie dienen dem Tätigen, weiteres zu tun. Doch der Mensch macht noch mehr. Er macht Sachen die keinen wirklichen Zweck erfüllen, die für das Leben sinnlos, vielleicht sogar schädlich sind. Als extremstes Beispiel, ich habe noch nie erlebt, dass ein Tier Selbstmord begeht. Aber auch schon solche Sachen wie, Schokolade essen, Alkohol trinken, Musik hören, Fernsehen... Denken gehört sicherlich auch dazu. Für all diese Sachen lassen sich auch immer irgendwelche Begründungen einfallen, aber wirklich sinnvoll, notwendig ist es nicht fürs Leben. Vielleicht ist also die Sinnlosigkeit der Sinn des Lebens. Und ganz ehrlich, sind nicht die sinnlosen Tätigkeiten die, die das Leben lebenswert machen?

Damit kommen wir zu einer ganz anderen Grundlage. Nicht was ist der Sinn des Lebens, sondern braucht das Leben einen Sinn. Denn ein sinnvolles Leben besteht aus sinnvollen Taten. Und die haben eigentlich den gleichen Sinn wie ein fallender Stein. Sie sind notwendig, aber das war es. Die Sinnlosigkeit zeichnet unser Leben aus. Wären wir dann nicht wesentlich besser dran, wenn das Leben keinen direkten Sinn hat. Und wenn das Leben einen Sinn hat, wäre es nicht sogar besser, wenn wir den nicht kennen, denn dann müssten wir ja ständig diesem Sinn nachstreben (kann man einem Sinn nachstreben? na du weißt, was ich meine). Es wäre kein Platz mehr für die schöne Sinnlosigkeit.

Und überhaupt, kann das Leben einen Sinn haben? Wenn ich etwas esse gebe ich dieser Tätigkeit einen Sinn, damit ich weiter Leben kann. Also ich habe mir etwas überlegt und somit die Tätigkeit angefangen und ihr einen Sinn gegeben. Den Stein hat auch jemand da runteschmissen. Was weiß ich, warum. Wenn jetzt das Leben einen Sinn hat. Wer hat sich vorher überlegt, das wir Leben sollen, um diesen Sinn zu erfüllen? Ich bin ja nur der Körper für die Tätigkeit Leben. Also kann ich mir nicht selbst den Sinn dazu geben. Es muss ja auch vor unserem Leben schon festgestanden haben. Wer hat die Tätigkeit, dass wir leben, initialisiert? Unsere Eltern. Also müssten sie auch den Sinn unseres Leben festgesetzt haben. Ist das vorstellbar? Eher nicht. Also kann das Leben gar keinen Sinn haben.

Und darf das Leben einen Sinn haben? Nein! Denn ein Sinn verlangt eine höhere Ebene, die der Tätigkeit vorher ein Ziel setzt, sie überblicken kann, das Ende kennt. Diese Ebene kann nur Gott sein. Ohne Gott keine höhere Ebene, kein Sinn des Lebens.

Zusammenfassend also: Das Leben hat sinnvolle Teile, die aber, wegen ihrer Eintönigkeit, nicht der Sinn des Lebens sein können, und sinnlose Teile, die aber, weil sie ja sinnlos sind, auch nicht der Sinn des Lebens sein können.

Vielleicht ist ja der Sinn des Lebens, beide Teile in Einklang zu bringen.