Erfolgsintelligenz?

Ellenbogengesellschaft oder Erfolgseffizienz?

(Dieser Text ist ein Foren-Beitrag über Erfolg, in der über die Geschichte zweier Jungen, die von einem Bären angegriffen werden, diskutiert wurde. Der eine Junge, der als sehr gescheit gilt, rechnet aus, dass sie, wenn sie wegrennen, eh vom Bären eingeholt werden. Der andere läuft dennoch los mit der Begründung er müsse ja nur schneller sein als der andere Junge. Diese Geschichte soll Schlüsselqualifikationen in der heutigen Wirtschaft zeigen.)

Ich muss sagen, nicht nur die Geschichte, sondern vor allem die relativ positive Reaktion auf den zweiten Jungen überrascht, erschrickt mich geradezu. Ich bezweifle nicht, dass die Wirtschaftswelt so ist. Aber was heißt das?

Ein Abbild unserer Ellenbogengesellschaft. Nicht der wird gefördert, der die besten Leistungen bringt, sondern der, der am lautesten Schreit. Wird der zweite Junge, der scheinbar überlebt, jemals etwas Bedeutsames erreichen? Wird er der nächste Heisenberg? Einstein? Hawking? Sicher nicht! Ob der erste nun für Bewegung in irgendeine Richtung sorgen wird, ist ebenso unsicher. Aber er hat zumindest das Potential. Ich glaube schon, dass der zweite gerne von Firmen eingestellt wird, da er in der Lage zu sein scheint, die eigene Firma immer, wenn auch auf Kosten der anderen, zu erhalten, auch wenn die andere Firma unter Umständen die besseren Leistungen bringt. Und was passiert innerhalb der Firma? Ist dieser Mitarbeiter so sehr Teamfähig, wie es ja immer verlangt wird? Und die andere Firma? Die wird über kurz oder lang, wenn sie sich nicht ebenfalls solcher Praktiken bedient, zu Grunde gehen, oder der Geschichte folgend, gefressen werden. Und abschließend wird so mit allen aufkommenden Konkurrenten umgegangen, bis am Ende nur noch die Firma des zweiten Jungen übrig bleibt. Und jetzt kann er so schnell rennen, wie er will. Es ist kein anderer mehr da, der vor ihm gefressen wird. Oder in der Wirtschaftswelt: Es gibt nur noch eine Sorte von Suppe und wenn nun alles nach Huhn schmeckt, sind die Menschen sicher nicht mehr so begeistert von ihren Idealen.
Kurz zusammengefasst, ich stelle mich auf den Besten, um selber eine Stufe höher zu kommen. Die Elite geht zu Grunde um andere aufs Mittelmaß zu heben.
Und der, der am Anfang am lautesten geschrieen hat, er schreit wieder… und zwar nach dem ersten Jungen, dass er doch aus der entstandenen Monotonie und Staknation heraushelfe und die Vielfalt zurück bringe.
Unsere Ellenbogengesellschaft verhilft sicher jetzt einigen zu einem Wohlstand, den sie sonst nie erreicht hätten, ob sie ihn verdienen, wage ich stark zu bezweifeln, aber auf längere Sicht, ist es der Untergang jeglicher Menschlichkeit und abschließend unserer Gesellschaft an sich. Und das ist wohl auch der Grund, warum die intellektuelle Elite häufiger ein gesellschaftliches Wrack sind, als die intellektuellen Wracks.

Was ist für mich Erfolg? Wenn irgendjemand, der diesen Text liest, sich kurz zurück lehnt und ernsthaft darüber nachdenkt, ob es nicht so ist, und ob so die Welt aussieht, in der wir leben wollen, denn dass wir in dieser leben, steht außer Frage!

Allgemein würde ich als Erfolgreich ansehen, wenn es nach meinem Tod noch Menschen gibt (außer enge Freunde und Familie), die sich an mich erinnern.